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HERZOG THEODOR VON GOTHLAND

Eine Tragödie in fünf Akten von Christian Dietrich Grabbe
Premiere
22.10.2011 KLEINES HAUS

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„Ihr Werk hat mich angezogen, sehr interessiert, abgestoßen und erschreckt“, schreibt Ludwig Tieck dem Dichter Christian Dietrich Grabbe 1822 über dessen Drama Herzog Theodor von Gothland, das sich „durch seine Seltsamkeit, Härte, Bizarrerie sehr von dem gewöhnlichen Tross unserer Theaterstücke unterscheidet“. Grabbe ist 21, als er sein Debüt vorlegt, und ein rebellischer junger Dichter, radikal in seiner Weltsicht, tief erschüttert in seinem Glauben an die Menschen. Bestechend in seiner kraftvollen und direkten Sprache, ist Grabbes erstes Stück eine Abrechnung mit den Idealisten seiner Zeit und die pessimistische Analyse einer Welt, die – wie sein vom Glauben abgefallener Held erkennt – „allmächtige Bosheit lenkt“. Es ist eine Tragödie von gewaltiger Sprengkraft, schrill und rasant, maßlos und desillusionierend. „Es wird mich gewiß sehr berühmt machen!“, schreibt Grabbe an seine Eltern. Doch erst 70 Jahre später wird das bis heute selten gespielte Stück in Wien uraufgeführt. In der Inszenierung von Martin Nimz ist es nun zum ersten Mal in Karlsruhe zu sehen.

Kriegslandschaft Europa. Der Afrikaner Berdoa, oberster Feldherr der heidnischen Finnen, landet mit seinem Heer an der Küste Schwedens. Der einstige Sklave plant, sich am „zivilisierten Europa“ für das an den Afrikanern begangene Unrecht zu rächen. Sein erstes Angriffsziel: Theodor von Gothland, „der Größte der Europäer“, Held der christlichen Schweden. Berdoa lässt den Herzog glauben, einer seiner beiden Brüder habe den anderen hinterhältig ermordet. Die Intrige gelingt: Der vermeintliche Brudermord stellt das Weltbild des Idealisten auf den Kopf. Das Wertesystem gerät aus den Fugen, das Gute ist gescheitert, das Paradies verloren. Der entfesselte Held stürzt ins Bodenlose. Alle Mahnungen seiner Frau wie seiner engsten Vertrauten von sich weisend, erkennt Gothland das Böse als unvermeidliches Schicksal an. Um im Kohlhaas‘schen Sinne das Recht wiederherzustellen, beginnt er seinen einsamen Rachefeldzug. Nicht einmal der schwedische König kann ihn noch aufhalten. Den ersten Brudermord durch einen zweiten zu sühnen, wird logische Konsequenz für einen Menschen, dessen Welt von einem Moment zum nächsten lichterloh in Flammen steht.

Martin Nimz arbeitete als Schauspieler und Regisseur in Gera, Eisenach und Berlin. 2002 bis 2004 war er Schauspieldirektor am Staatstheater Kassel. In den letzten Jahren inszenierte er u. a. am Staatstheater Cottbus, Theater Heidelberg, Schauspiel Frankfurt, Volkstheater Rostock, Staatsschauspiel Dresden und zum Neustart von Schauspieldirektor Kay Voges am Theater Dortmund. Der junge Bühnenbildner Flurin Borg Madsen studierte Szenografie an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe, Bühnenbild an der Zürcher Hochschule der Künste und arbeitete bereits als Video-Designer für Michael Simon in Karlsruhe. Bühnenbilder von ihm waren u. a. in Graz, Mannheim und Schwetzingen zu sehen.

REGIE Martin Nimz BÜHNE Flurin Borg Madsen KOSTÜME Ricarda Knödler SOUND Matthias Engelke DRAMATURGIE Nina Steinhilber

Kritik bei die-deutsche-buehne.de

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